Brig

Hexen und Bischöfe

Glücklicherweise war Brig im Mittelalter ein kleiner Flecken. Aus der Zeit des Mittelalters ist deshalb eher wenig bekannt. Auch in Bezug auf die unrühmlichen Hexenprozesse, die unter anderem im Buch «Walliser Totentanz» von Werner Ryser beschrieben werden. Damals beanspruchten die so genannten «Freigerichte» die Blutgerichtsbarkeit, d. h. das Recht, Todesstrafen zu verhängen. Für Brig ist kein solches Freigericht bekannt, aber es soll im «Holowistutz» in Glis eine Richtstätte gegeben haben. Dass in Brig Hexen hingerichtet wurden, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Hingegen ist eine traurige Begebenheit bekannt, wonach zwei bischöfliche Boten in Brig festgehalten wurden, bis das Urteil zweier unschuldiger Frauen im Grund (Gantertal) vollstreckt war.
Der Bischof von Sitten war jahrhundertelang auch die höchste weltliche Instanz im alten Wallis. Dazu gehörten auch die Gerichtsbarkeit und damit der Anspruch, Todesurteile in letzter Instanz selber zu entscheiden. Der Versuch, die Verbrennung der beiden Hexen im Grund zu verhindern, ist deshalb weniger auf christliche Nächstenliebe und auf das den Frauen geschehene Unrecht, ­sondern auf den Machtanspruch des Bischofs zurückzuführen. Dessen Position war ohnehin alles andere als konfliktfrei. Immer wieder ergriff die Bevölkerung zur «Matze», d. h. sie begehrte gegen den Bischof auf, aus welchen Gründen auch immer. Bischöfe waren unterschiedlich beliebt, manche wie etwa Jost von Silenen betrieben eine ausgesprochene Machtpolitik. 1482 wurde der gebürtige Luzerner (dessen Neffe der erster Kommandant der Schweizergarde in Rom war) vom Papst Sixtus IV. nach der Wahl durch das Domkapitel zum Bischof von Sitten ernannt. Er unternahm mit Unterstützung der Waldstätten Feldzüge in das Val d’Ossola, wo er in der Schlacht von Crevola gegen das Herzogtum Mailand unterlag. Deswegen wurde er nicht zuletzt auf Druck von Jörg auf der Flüe (Georg Supersaxo) 1497 abgesetzt. Georg Supersaxo wiederum war u. a. Grosskastlan des Zenden Brig und besass ein Haus in Glis, wo er in der dortigen Wallfahrtskirche einen wunderschönen, bis heute erhaltenen Seitenaltar errichten liess. Brig und Glis hielten im er­bitterten Machtkampf zwischen ihm und seinem einstigen Mentor, Matthäus Schiner, zu «ihrem» Georg Supersaxo. Beide Persönlichkeiten schrieben ­Weltgeschichte: Schiner wurde zum Kardinal ernannt und der Legende nach beinahe zum Papst gewählt. Er starb 1522 in Rom an der Pest, nachdem er massgebend die Schweizer in die Niederlage von Marignano 1515 geführt hatte. Vorher hatte er Georg Supersaxo in Freiburg i. Ü. in einen Kerker werfen lassen, aus dem ihn seine Frau und seine Tochter mit List befreien konnten. Georg Supersaxo starb 1529 in Vevey und hinterliess 23 Kinder. Und so lebten sie im Mittelalter beide gefährlich: die Hexen und die Bischöfe. Brig hat mit ihnen nicht sehr viel am Hut.

800 Jahre Brig – Hexen und Bischöfe